Laurie Anderson performing Transitory Life

Politik als Storytelling. Samples als Metaphern. Stimmverfremdung als Sprachvirus aus den Ganglien von William S. Burroughs: Seit den 1970er Jahren erschafft Laurie Anderson mit Stimme, Violine und Electronics eine Kunst der Verweise, deren ebenso assoziative wie analytische Spiele-Welten im Laufe der Jahrzehnte zu einem regelrechten Laurie Anderson-Kosmos anwuchsen. Fixsterne in diesem Kosmos: lakonische Performance (Buster Keaton), philanthropische Melancholie (Walter Benjamin), „poetische“ Sozialkritik (Susan Sontag) und – meist höchst prekär in Verbindung mit Musik – „intelligenter“ Humor (Name selbst einsetzen). Mit einem solch schweren Rucksack voller Art-, Media- und Polit-Diskursen - gleichsam der Gravität der Themen zum Trotz – leichtfüßig anzutanzen, ist auch schon wieder eine eigene Kunst. Damit aber sogar den Hitparaden ein Kuckucksei zu legen, das schaffte nur Laurie Anderson mit ihrem Minimal-Epos „O Superman“ (1981). Und weil endlich zusammengefügt gehört, was seit Andersons eigenem Urknall auseinanderstiebt, verknüpft die Performerin für „Transitory Life“ die diversen Enden ihres multimedialen Universums zu einem neuen Ganzen, das bestimmt mehr sein wird als die Summe seiner Teile, die allein schon für sich genommen – als Solo-Shows der letzten Jahre wie „Speed Of Darkness“, „The End Of The Moon“ oder „Homeland“ – in den USA begeistert abgefeiert wurden. Ebenso wie die auch beim donaufestival präsentierten „solo violin pieces“, die sich – wie könnte es in einem expandierenden System anders sein – im Laufe der Zeit zu wahren symphonischen Miniaturen aufgeschwungen haben. Den GegenwartsfetischistInnen sei noch versichert: Das Voice-Processing-Tool „Auto-Tune“, dem zur Zeit keiner entkommt, der auch nur zehn Sekunden aktuellen R&B lauscht, mag zwar ein geiles Teilchen sein, aber was Laurie Anderson seit ihrem Popdebut „Big Science“ (1982) mit dem „Roland VP-300 Vocoder“ anstellt, das toppt an sonisch/semantischer Strahlkraft auch heute noch jeden dahergelaufenen T-Pain (wenn sie wissen, was ich meine).
Und vielleicht kriegen wir beim Konzert ja sogar eine Antwort auf die schöne typische Laurie Anderson-Frage: „Where does love go when love is gone?“ (Fritz Ostermayer)

www.laurieanderson.com
www.myspace.com/officialaurieanderson

05. Mai

Donnerstag close
Zeit Artist Location
10:00 Ole Aselmann: Berlin-Beijing Kunsthalle - Factory
10:00 Chris Watson: Sea Ice / A Journey South Kunsthalle - Zentrale Halle
18:00 Wiener Art Foundation presents Synaptic Driver Kunstraum Stein
18:00 Rashaad Newsome Galerie Stadtpark
18:00 DJ Smallcock's Vinyl Rally Kunsthalle Krems
18:00 Marnix de Nijs: Mirror Piece Klangraum Krems Kapitelsaal
18:00 Dries Verhoeven: Dein Reich komme Kunsthalle - Outdoor
18:00 Future Fluxus Outdoor
18:00 Stirn Prumzer & Die Schwarzarbeit / Atzgerei Gelände
19:00 The Books Klangraum Krems Minoritenkirche
19:00 Gisèle Vienne: Kindertotenlieder Stadtsaal
19:30 Elke Krystufek: HUB Halle 2
20:30 Laurie Anderson performing Transitory Life Halle 1
22:00 Left Hand Path Halle 2
23:00 Lydia Lunch presents QUEEN OF SIAM Halle 1
00:00 Marc Ribot's Ceramic Dog Halle 2