New Black: Betrügen

Mit DJ Meko oder Gotta Depri, Hauke Heumann, Franck Edmond Yao

Der Mensch liebt nicht den Menschen, der Mensch liebt das Geld des Menschen.
Douk Saga (1975-2006), genannt der Präsident, Lino Versace, Solo Béton, Boro Sanguy und die anderen Mitglieder der selbst ernannten Jet Set haben 2003 den Couper Décaler im Milieu der ivorischen Diaspora in Paris kreiert. Entstanden, in einer Zeit der Krise und Verarmung der Elfenbeinküste, gibt der Couper Décaler einer Parallelwelt  zwischen Paris und Abidjan Raum, die eigene Existenz in einer Mischung aus subversiver Selbstbehauptung, Dandytum und Glamour zum offensiven Spiel mit Chiffren und Klischees werden lässt. In atemberaubender Geschwindigkeit  verbreitete sich die Musik-, Tanz- und Lifestylerichtung schon bald in den Clubs von Abidjan, um dann ihre großen Erfolge in West- und Zentralafrika, der Karibik und Europa zu feiern. Gintersdorfer/Klaßen entwickeln mit deutschen und ivorischen Darstellern einen Abend, an dem die Differenz zwischen der tatsächlichen Lebenssituation und den behaupteten Rollen ineinander übergeht. Die Rolle dient zum Statusgewinn, um auf offensive Weise Eigeninteressen zu präsentieren. Nicht die Illusion, sondern die Realität ist entscheidend. Eine Rolle, die nicht in die Wirklichkeit eingreift, ist keine.

Dramaturgische Beratung: Aenne Quiñones; Kostüme: Bobwear, Gintersdorfer/Klaßen; eine Produktion von Gintersdorfer/Klaßen, Kampnagel Hamburg, Ringlokschuppen Mühlheim und sophiensaele Berlin. Gefördert aus Mitteln des Regierenden Bürgermeisters von Berlin – Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und des Fonds Darstellende Künste.

aus der Reihe Gintersdorfer/Klaßen: New Black

„In unserer künstlerischen Arbeit sprechen wir von den Schwarzen und den Weißen, höchst unkorrekt und unpräzise, aber deswegen oft nah an dem Denken, das die Wirklichkeit bestimmt, die unkorrekt und unpräzise ist. Wir denken in zwei Systemen und machen Aufführungen, die von europäischem und afrikanischem Publikum mit tausend Missverständnissen gemocht und gehasst werden.” „Nicht relativieren, nicht aufklären, nicht ironisieren, sondern insistieren, bis es lebt!” Monika Gintersdorfer in ZEIT Nr. 53/2009

Vor mehr als sechs Jahren sind die Regisseurin Monika Gintersdorfer und der bildende Künstler Knut Klaßen ausgezogen, um die Theaterwelt das Fürchten zu lehren. Und dabei sind sie an die Elfenbeinküste geraten. Was bei vielen ihrer KollegInnen, die sich eine künstlerische Blutzellenerneuerung in fremden Kulturen verordnet haben, wirkt wie ein tragisches Reenactment eines Kreuzzuges im Mäntelchen eines Bildungsurlaubes, sieht im Falle der beiden jedoch anders aus, radikal anders! Hier hat sich das Theater in seiner gesellschaftspolitischen Funktion, in seiner Ästhetik, seiner Begrifflichkeit und Funktion neu definiert. Nicht der Ansatz eines vereinfachten, schöngeistigen Bildes interkultureller Völkerverständigung sondern das Insistieren auf Differenzen sind der Motor dieses performativen Sprengstoffes, der daherkommt wie ein Club, in dem auch getanzt, getrunken, „gerappt, aufgelegt und gemodelt wird. Ganz „nebenbei” werden hier Gesellschaft, Politik, Religion, Philosophie und Differenzen von Kulturen abgehandelt: hier erhält das Theater jene Kraft zurück, die es ihm erlaubt, es wieder mit dem Leben aufzunehmen! Im letzten Herbst haben Gintersdorfer/Klaßen im Verbund mit ihren ivorischen und europäischen KollegInnen das Resultat ihrer jahrelangen Arbeit in Berlin und Hamburg präsentiert. Die berühmte Vergnügungsmeile in der Hauptstadt Abidjan „Rue Princesse” gab dem dreitägigen Festival, das Theater, Tanz, Medienkunst, Installation aber auch Animation, Rap, DJing, Tanz und Mode ineinander verschmelzen ließ, ihren Namen. Für das donaufestival 2011 kreiert das polykulturelle KünstlerInnen- Netzwerk ein neues Festival, das seinen Titel dem legendären Club New Black in Abidjan verdankt. Neben den zeitlich genau definierten Theater- und Tanzstücken wird der Kremser Stadtsaal aka New Black ein Wochenende lang jeden Abend das Zentrum einer sozialen künstlerischen Plastik sein, die alle Attribute aufweist, die jeder gute Club aufzuweisen hat. „Couper ist ein umgangssprachlicher Begriff von den Straßen Abidjans und heißt soviel wie Unfug treiben oder betrunken sein, in der Pariser Lebensrealität der Ivorer verwandelte sich die Bedeutung in betrügen, bluffen, einen Schnitt machen, darauf folgt décaler und travailler, abhauen und arbeiten...” Basis der interkulturellen Auseinandersetzung des Performance-Projektes Gintersdorfer/Klaßen ist eine subversive Lebens-, Club- und Performance- Kultur namens Couper Décaler, die 2003 von der Gruppe Jet Set kreiert wurde und mittlerweile einen Siegeszug in die afrikanische und europäische Clubszene antrat. In der Parallelwelt zwischen der krisengeschüttelten Elfenbeinküste und der ivorischen Pariser Diaspora wurde die eigene Existenz der „Jet Setisten” in einer Mischung aus subversiver Selbstbehauptung, Dandytum und Glamour zum offensiven performativen Spiel mit Chiffren und Klischees. Theatrale Inszenierungen des eigenen Lebens, die Erfindung ständig neuer Tanzformen, exklusive Designermode, teure Zigarren und fette Autos überdeckten die Alltagssorgen wie ungesicherte Lebensumstände, Geld- und Justizprobleme der MigrantInnen in den Pariser Banlieues. Die selbsternannten Stars des Couper Décaler hoben sich schon rein äußerlich vom üblichen Bild des „Migranten” ab, und entzogen sich so den üblichen Zuschreibungen des weißen männlichen Blicks.
 
In den Clubs singen die DJs Geschichten über eine Jet-Set-Welt, in der die Migranten die großen Positionen besetzen, sie werden zu Bankern, Botschaftern oder Präsidenten. Politisches mischt sich mit Ironie, Amüsement und Show.

Konzept, Regie:
Monika Gintersdorfer, Knut Klaßen

www.gintersdorferklassen.org

29. April

Freitag close
Zeit Artist Location
10:00 Ole Aselmann: Berlin-Beijing Kunsthalle - Factory
12:00 Dries Verhoeven: Dein Reich komme Kunsthalle - Outdoor
14:00 Wiener Art Foundation presents Synaptic Driver Kunstraum Stein
14:00 Karl Karner und Linda Samaraweerová: Alan Greenspangrünspan Schauraum 35/NULLNULL
18:00 Rashaad Newsome Galerie Stadtpark
18:00 Ole Aselmann: Berlin-Beijing - Performance Kunsthalle - Factory
18:00 DJ Smallcock's Vinyl Rally Kunsthalle Krems
18:00 Marnix de Nijs: Mirror Piece Klangraum Krems Kapitelsaal
18:00 New Black: Petit Bisou / Club New Black Stadtsaal
18:00 Stirn Prumzer & Die Schwarzarbeit / Atzgerei Gelände
19:00 Music for Solaris Klangraum Krems Minoritenkirche
19:00 Film Networks: A Walk into the Sea Kino im Kesselhaus
20:30 Valgeir Sigurdsson & Puzzle Muteson Halle 2
20:30 New Black: Logobi 01 Stadtsaal
21:30 John Cale & Band Halle 1
22:45 Wildbirds & Peacedrums Halle 2
22:45 New Black: Betrügen Stadtsaal
23:45 Liturgy Halle 1
00:45 Nadja Halle 2
00:45 New Black: Fashion is for fashion people Stadtsaal