Ole Aselmann: Berlin-Beijing - Performance

Berlin- Beijing von Ole Aselmann mit Dietrich Kuhlbrodt, Konstantin Lom, Achim Sieg und Pedro Pinto

Die Kooperation zwischen donaufestival und Kunsthalle Krems, die mit den letztjährigen Festivalbeiträgen von Franz Graf und Christian Jankowski ihren erfolgreichen Einstand feierte, wird auch heuer mit verschiedenen Projekten fortgesetzt.

Die theatralische Kraft, die Ikonografie der Moderne zu dekonstruieren, begreift der Artist in Residence der Kunsthalle Ole Aselmann als Motor seiner performativen Arbeiten. Er entwickelt in der Factory eine raumgreifende Installation (EÖ 27.03), um diese zu einem spielgewaltigen Reigen verschiedener Performances auszubauen. Im Rahmen seiner Ausstellung „Berlin-Beijing“ verhandelt er die künstlerische Praxis des Reisens als performative Dekonstruktion des Mythos Europa und wird selbst vor den BesucherInnen nicht halt machen, sie in den Sog des Geschehens einzubinden.
 
„In einer schnelllebigen, von Migration geprägten Zeit, in der „überlieferte Ordnungen“ der Religion und des Brauchtums sich auflösen, ist jeder einzelne täglich gefordert, sich seiner selbst, seiner Identität und Religion zu versichern. Das Reisen hat bei dem Versuch, sich in der globalisierten Welt zu orientieren, heute nicht selten auch die Funktion einer Initiation. Der Reisende löst sich für eine Zeitlang aus der eigenen Kultur, geht in die Fremde, um als um viele Erfahrungen bereicherte Person zurückzukehren.

Das Reisen ist auch eine wichtige Grundkonstante im Werk des 1979 in Hamburg geborenen Ole Aselmann. 2005 brach der Absolvent der Berliner Kunsthochschule Weißensee als `moderner Pilgerer´ mit einem Schaf zu einer Wanderung von Oberbayern über die Alpen auf. Die Erfahrungen dieser Reise, ihr verfrühter Abbruch und die Rückkehr zur Herde hat Ole Aselmann in dem Video Aufbrechen mit Emma dokumentiert. Auf seinen ersten Reisen „arbeitete“ sich Ole Aselmann wie er sagt, „durch die Kultur des Abendlandes“ und inszenierte seine Reflektionen darüber 2008 in der Rauminstallation Messias Wirtshaus in Form einer Hybrid-Kathedral Architektur. Geleitet von der Frage, ob es eine Alternative zum zielgerichteten, auf Verbesserung ausgerichteten, vorwärtsdrängenden westlichen Individualismus gibt, entschließt sich Ole Aselmann dann 2009 zu Fuß in mehreren Etappen von Berlin nach Beijing (Peking) zu wandern, um sich auf diese Weise die östliche Kultur zu erschließen. Geistesverwandt ist dieser Ansatz mit Joseph Beuys und dessen Eurasia-Metapher, die die Symbiose zwischen dem westlichen und dem asiatischen Kulturkreis als Vision für ein neues Menschenbild beschreibt. Die Installationen des von Christoph Schlingensief für die Akademie Schloss Solitude ausgewählten Stipendiaten Aselmann, dokumentieren die Reiseerlebnisse des Künstlers an den jeweiligen Ausstellungsorten für den Kunstkontext.“ (Nicole Fritz)

Die Ausstellung in der Factory ist eine vorläufige Retrospektive seiner bisherigen Reisestationen. Die Reiseerlebnisse werden auch in Krems mittels Video, Skulptur und Klängen zu einem intermedialen raumgreifenden Bühnendisplay verschachtelt. Der Betrachter betritt eine persönlich assoziative Metaphernwelt: Ein Spannungsfeld, das gleichermaßen von individuellen als auch von globalen Prozessen geprägt ist; in dem sich psychologische Wahrnehmungen des Erzählenden mit gesellschaftskulturellen Perspektiven zu einer hybriden visuellen Kunstsprache verflechten. Symbole und Zeichen der abendländischen Kultur werden auf diese Weise mit Bildwitz und Humor in einer synkretistischen Mythenbricolage zu einer individuellen Mythologie aufbereitet: „Im Zentrum der Erzählung steht die „Muttersau“, die wie die „Venus von
Willendorf“ die Fruchtbarkeit des Weiblichen repräsentiert, der „Wurstkönig“ als letzter Repräsentant des Abendlandes und der „Black Metal Taliban“ als Stellvertreter einer subversiven europäischen Jugendkultur“, so Ole Aselmann, „Die Erfahrungen meiner letzten Reiseetappe in Richtung Asien werden vor allem als Performances im Rahmen des Donaufestivals einfließen.“
Während es das Anliegen von Joseph Beuys war − entsprechend des (selbst gestellten) Utopieauftrages der Moderne − Sinnzusammenhänge aufrechtzuerhalten, steht Ole Aselmann vielmehr in der Nachfolge eines Martin Kippenberger. Aselmann beschränkt sich darauf, die Logik des Sinns und Un-Sinns der gegebenen Wirklichkeit zu untersuchen und auf diese Weise in der postmodernen Unübersichtlichkeit Zeugnis zu gebe von der eigenen existenziellen Wahrnehmung.

www.kunsthalle.at

Öffnungszeiten im Rahmen des donaufestival
28.04. 10:00 – 18:00
29. u. 30.04., 05. - 07.05. 10:00-21:00
Live-Performances: 29.04. 18:00 und 30.04. 17:00

29. April

Freitag close
Zeit Artist Location
10:00 Ole Aselmann: Berlin-Beijing Kunsthalle - Factory
12:00 Dries Verhoeven: Dein Reich komme Kunsthalle - Outdoor
14:00 Wiener Art Foundation presents Synaptic Driver Kunstraum Stein
14:00 Karl Karner und Linda Samaraweerová: Alan Greenspangrünspan Schauraum 35/NULLNULL
18:00 Rashaad Newsome Galerie Stadtpark
18:00 Ole Aselmann: Berlin-Beijing - Performance Kunsthalle - Factory
18:00 DJ Smallcock's Vinyl Rally Kunsthalle Krems
18:00 Marnix de Nijs: Mirror Piece Klangraum Krems Kapitelsaal
18:00 New Black: Petit Bisou / Club New Black Stadtsaal
18:00 Stirn Prumzer & Die Schwarzarbeit / Atzgerei Gelände
19:00 Music for Solaris Klangraum Krems Minoritenkirche
19:00 Film Networks: A Walk into the Sea Kino im Kesselhaus
20:30 Valgeir Sigurdsson & Puzzle Muteson Halle 2
20:30 New Black: Logobi 01 Stadtsaal
21:30 John Cale & Band Halle 1
22:45 Wildbirds & Peacedrums Halle 2
22:45 New Black: Betrügen Stadtsaal
23:45 Liturgy Halle 1
00:45 Nadja Halle 2
00:45 New Black: Fashion is for fashion people Stadtsaal

Kunsthalle - Factory

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