Die
künstlerischen Netzwerke des donaufestival werden heuer mit einem
Happening- und Performanceprojekt weiter gesponnen. In Zusammenarbeit
mit der Wiener Art Foundation werden unter dem Titel „Synaptic Driver"
unterschiedliche Handlungs- und Repräsentationsformen performativer
Praktiken präsentiert. In den Beiträgen werden analog dem Motto des
Festivals „Nodes, Roots & Shoots" Möglichkeiten erkundet,
performative Arbeiten nicht als einzeln abgeschlossene Ereignisse zu
erleben, sondern als offene und sich vernetzende künstlerische
Ausdrucksweisen.
Veranstaltungsort ist das leerstehende ehemalige
Elektrogeschäft Gantner. Es befindet sich – nur einige Minuten vom
Festivalgelände entfernt – am Rand des Stadtparks.
Dem Motto des
Festivals sowie dem Zitat Bruce Naumans: „Die Kunst erlöst uns von gar
nichts" folgend, werden verschiedene Ausformungen performativer und/oder
installativer Arbeit präsentiert. Die einzelnen Beiträge wurden unter
anderem über einen Zeitraum von mehreren Wochen entwickelt und suchen
nicht nur die Auseinandersetzung mit dem Publikum, sondern auch den
Dialog untereinander.
Eröffnet wird das Projekt von ALBERT MAYR
und LUDWIG KITTINGER / FERNANDO MESQUITAS. Mayr präsentiert eine
Performance-Skulptur, die sich mit Neuen Medien und Technologie
gleichermaßen auseinandersetzt wie mit elektronischer Musik, und spannt
damit den Bogen zum musikalischen Programm des Festivals selbst.
Kittinger / Mesquitas entwerfen ein Raumsetting, das als verbindendes
Element bestehen bleibt, bis es für einen neuen Beitrag zerstört werden
wird. Die Künstler gestalten zwei Wände des Innenraumes in den
Komplementärfarben rot und grün. In einem subversiven Akt des Gestaltens
und Zerstörens werfen sie so alltägliche Materialien wie Paprikapulver
oder Rollrasen mit speziellen Hilfsmitteln an die Wände.
ALDO
GIANNOTTIS Beitrag geht eine intensive Vorarbeit voraus: während seiner
Reisen durch Italien, Frankreich, Spanien und Deutschland, sammelte der
Künstler tausende Event-Flyer. In Krems verwandelt er den
Ausstellungsraum in einen Lagerraum, in dem die Flyer aufbewahrt sind.
Zwei Leute werden angestellt die Flyer am Eingang des Festivals zu
verteilen. Fragen nach der Autorenschaft werden ebenso gestellt wie nach
den Gegebenheiten, die für die Produktion und Rezeption von
Performances ausschlaggebend sind.
Ein Schwerpunkt von BORIS KOPEINIGS Arbeiten liegt in der Beschäftigung
mit elektronischer (Tanz-)Musik. Das Projekt "underground dance loops"
geht der Frage nach, wie Sounds Körperlichkeit beeinflussen und
verändern und welche Körper hergestellt werden können.
Eine
Gemeinschaftsperformance von MARIANNE VLASCHITS und MICHAEL BÄCKSTRÖM
läutet das zweite Wochenende ein. Vlaschits / Bäckström lassen in einem
mehrstündigen Happening Installationen, Skulpturen, Rituale und Tänze
entstehen, die nach eigenen Angaben am ehesten als „schamanistisch" zu
bezeichnen sind.
In Anlehnung an das Paarungsverhalten von männlichen Laubenvögeln, die aufwändige Nester bauen, um Weibchen zur Paarung
anzulocken, stimmen Vlaschits und Bäckström sich und ihre „Nester" auf
das anzulockende Publikum ab.
In ihren gemeinsamen Performances
kombinieren CONSTANZE SCHWEIGER und JASMIN TRABICHLER wiederholt
textile Objekte, die als eine Art Körper fungieren, mit Musik. Die
Stoffobjekte entwickeln erst in der Verwendung durch den Körper ihr
eigentliches Volumen und thematisieren die Wechselbeziehung zwischen
Innen und Außen.
Im Happening mit dem Titel „Earth girls are
easy (eight out of ten aliens agree)" führen STEFFI ALTE und EVA SEILER
unterschiedliche Medien – Film, Plakat, Performance – zu einem präzise
choreografierten Handlungsablauf zusammen. Ausgangspunkt ist der Film
„Earth girls are easy" von Julian Temple aus dem Jahr 1988. Alle 20
Minuten springen die Künstlerinnen durch Plakate, auf denen ihre
Konterfeis abgebildet sind und inszenieren somit ein Spiel mit kunst-
und populärgeschichtlichen Referenzen.
Ebenfalls mit Referenzen
arbeiten die beiden Künstler KONRAD KAGER und BAPTISTE ELBAZ. Sie
verwenden Symbole, Geschichten und kulturelle Riten und verknüpfen sie
zu irrationalen und surrealen Situationen. In einer Prozession wird das
mit Süßigkeiten gefüllte Maskottchen „Venus vom Galgenberg" (eine
Referenz an die älteste Statuette einer Frauenfigur, die nahe Krems
gefunden wurde) wie eine Heiligenfigur durch den Stadtpark getragen. Der
Reggae-Song „Stalag", der von einer sie begleitenden Musikkapelle
gespielt wird, spielt auf das NS- Gefangenenlager Stalag 17B an, das
sich ebenfalls nur wenige Kilometer von Krems entfernt befand. In einer
abschließenden Aktion wird die „Venus" gleich einer mexikanischen Pinata
geschlagen und die Süßigkeiten an das Publikum verteilt.
Der letzte Tag des Festivals wie auch der Performance-Reihe steht ganz
im Zeichen des Themas „Gender". CHRISTINA GOESTL demontiert in ihrer
Arbeit „ALL SEXES WELCOME" in radikaler Weise die Zuschreibung von
populären Geschlechts-Definitonen. In einer audio-visuellen Performance
werden Audio-Snippets mit Texten der Wissenschaftlerinnen und
Forscherinnen Anne Fausto-Sterling, Suzanne Kessler, Sadie Plant u.a
gekoppelt und via Screens in den Außenraum projiziert.
CHRISTIAN
FALSNAES thematisiert in seinen Arbeiten immer wieder gesellschaftliche
Erwartungshaltungen, insbesondere gegenüber tradierten
Männlichkeitskonzeptionen. Diese werden mit den Mitteln der Ironie und
der Übertreibung dekonstruiert. Nicht zuletzt versucht Falsnaes in
seinen Performances die Grenzen zwischen Pop- und Hochkultur, zwischen
Kunst, Film und Musik aufzulösen.
Einen entscheidenden
Hintergrund für die Gemeinschaftsarbeit „Sugar Kisses Krems 2011" von
TONI SCHMALE, LAURETTE RASCH und PHINI GONZALES bilden subkulturelle und
queere Praktiken. Mittels der Handlungsanweisung „Vater, Mutter, Kind
spielen" werden heteronormative Strukturen sichtbar gemacht und mittels
diskursivem Umgang mit Gender- und Transidentitäten neu bebildert. Um
lesbar zu machen, um welche Positionen es sich in dem Spiel handelt,
werden bestimmte Accessoires (z. B. Schnauzer, Schürze und Schnuller)
verwendet, die mit codierten Geschlechter- und Rollenerwartungen
verknüpft sind. Die geschlossene fiktive Welt, welche die KünstlerInnen
in dem Elektrogeschäft entstehen lassen, können vom Publikum nur durch
die Schaufenster betrachtet werden.
Jeweils DO 18-22:00, FR 14-22:00, SA 12-22:00
KünstlerInnen
Steffi Alte, Michael Bäckström, Baptiste Elbaz, Christian Falsnaes, Aldo Giannotti, Christina Goestl, Phini Gonzales, Konrad Kager, Ludwig Kittinger, Boris Kopeinig, Albert Mayr, Fernando Mesquita, Laurette Rasch, Constanze Schweiger, Toni Schmale, Eva Seiler, Jasmin Trabichler, Marianne Vlaschits
Kuratiert von Amer Abbas und Barbara Pflanzner
www.artfoundation.at
| Zeit | Artist | Location | |
|---|---|---|---|
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10:00 | Ole Aselmann: Berlin-Beijing | Kunsthalle - Factory |
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17:30 | Karl Karner und Linda Samaraweerová: Alan Greenspangrünspan | Schauraum 35/NULLNULL |
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18:00 | Wiener Art Foundation presents Synaptic Driver | Kunstraum Stein |
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18:00 | New Black: Petit Bisou / Club New Black | Stadtsaal |
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18:00 | Stirn Prumzer & Die Schwarzarbeit / Atzgerei | Gelände |
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18:00 | DJ Smallcock's Vinyl Rally | Kunsthalle Krems |
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18:00 | Marnix de Nijs: Mirror Piece | Klangraum Krems Kapitelsaal |
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18:00 | Dries Verhoeven: Dein Reich komme | Kunsthalle - Outdoor |
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18:30 | Rashaad Newsome | Galerie Stadtpark |
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19:00 | James Blake | Klangraum Krems Minoritenkirche |
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19:30 | New Black: Die Gesellschaft des Bösen | Stadtsaal |
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20:30 | Ben Patterson | Halle 1 |
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20:45 | Ben Frost | Halle 1 |
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21:45 | New Black: Die Kindertänzer | Stadtsaal |
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21:45 | WU LYF | Halle 2 |
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22:30 | Wild Beasts | Halle 1 |
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23:30 | femous orchestra | Halle 2 |
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00:15 | Owen Pallett | Halle 1 |