Trailer & Vorwort

Mad Hope

Hoffnung. Ein großes Wort, religiös und politisch aufgeladen. Oft genug scheitern Hoffnungen. Oder sie werden als Blendwerk missbraucht. Im Zeitalter der multiplen Krisen erscheint ein Beharren auf dem „Prinzip Hoffnung“ (Ernst Bloch) geradezu naiv. Mehr noch: Man müsste, überließe man sich dem apokalyptischen Grundrauschen der Gegenwart, geradezu verrückt sein, inmitten der Kriege, der autoritären Gewalt, der Lügen und Verhetzungen, der ökologischen Notlage und der cyberfaschistischen Zukunftsdrohungen noch an ein besseres Morgen zu glauben.

Und doch ist es vielleicht gerade das Verrückte, das Perspektiven verrücken kann. Anton Kats erzählt in seiner Performance After Hope vom Schicksal des 1974 im (damals zur Sowjetunion gehörenden) ukrainischen Dnipro-Delta gebauten Frachtschiffs Vishwa Asha (Universal Hope). Das Geisterschiff gilt inmitten der heutigen Kriegswirren als verschollen. Anton Kats lässt uns mit einem Rätsel zurück: Wie viele Sandkörner auf dem Grund des Dnipro- Flusses wären nötig, damit die Hoffnung sich dort verankern kann? Hope4Hope heißt eine an das Leitmotiv anknüpfende Gruppenausstellung beim donaufestival 2026. Und in der Dominikanerkirche wird sich die erhobene Faust von Yann Marussich aus einer Badewanne voller Glasscherben in die Höhe recken.

Mad Hope: Das ist der Mut zur Spekulation über unerprobte Formen des Miteinanders, ein kleinteiliger, dezentraler Aufstand gegen die Wirklichkeit. Der Kulturwissenschaftler Terry Eagleton nennt dieses Festhalten an der Möglichkeit von Veränderung „Hoffnung ohne Optimismus“. Der Philosoph Gabriel Marcel formuliert es so: „Mag auch sein, dass alles verloren ist, wir sind es nicht.“

Von dieser Einsicht handelt HOLD&RESIST_a springrite, eine vom donaufestival initiierte, erstmalige Kooperation der Performancegruppe Liquid Loft mit der Metarockband Radian, ebenfalls zu sehen in der Dominikanerkirche. Dabei geht es darum, eine extreme Körperspannung auszuhalten, eine Pose auszureizen, eine – auch politische – Position zu bewahren.

„Wenn die Welt aus Reibung besteht, dann ist Gleitmittel kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.“ So umschreibt die Electropunk- Ikone Peaches ihre queerfeministische Hoffnung mit Verweis auf ihr neues Album No Lube So Rude, das sie in Krems vorstellen wird. Universal Beings nannte der Jazzdrummer Makaya McCraven eines seiner Alben; ein Titel, der den Wunsch nach Gemeinschaftlichkeit ausdrückt. Musik als kollektives Ereignis zwischen Glück und Wahn zelebrieren auch das Folk-Punk-Quartett The New Eves oder die zu aufgekratzter Euphorie neigende Combo caroline.

Im neuen, spirituell unterfütterten Postrap-Album Eroica II: Christian Nihilism bekennt sich Chino Amobi zur Aufforderung, „das Chaos anzunehmen“, auch auf der Bühne in Krems. Am Ende seines Albums heißt es mit angemessener Ignoranz des Trumpeltiers: „You want it darker (…) But God don’t care about the White House, come through the dark like a light house.”

Thomas Edlinger
Künstlerische Leitung

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